Generalisten für die Gebäudezukunft

Während heute noch vorrangig handwerklich spezialisierte Fachkräfte für den Betrieb von Gebäuden zuständig sind, fehlen zunehmend Mitarbeitende mit einem generalistischen Verständnis für die komplexen Zusammenhänge im Gebäudebetrieb. Ein neuer Ausbildungsberuf – die „Fachkraft für Gebäudeinfrastrukturbetrieb“ – soll diese Lücke schließen.
Die Entwicklung des neuen Ausbildungsberufs erfolgt in enger Abstimmung mit allen relevanten Akteuren. Neben den Sozialpartnern und theoretischen Fachvertretern bringen auch Praktiker aus der Branche ihre Expertise ein. So ist das Facility Management unter anderem durch den Deutschen Verband für Facility Management (gefma) sowie durch die Brancheninitiative „Die Möglichmacher – Facility Management“ vertreten, zu der acht der größten FM-Dienstleistungsunternehmen in Deutschland gehören. Diese enge Einbindung gewährleistet, dass der Beruf den heutigen Anforderungen der Praxis gerecht wird und passgenaue Qualifikationen für den realen Arbeitsalltag vermittelt.
Ein Beruf für die Lebenszyklus-Phase
80 Prozent der Lebenszykluskosten eines Gebäudes fallen in der Betriebsphase an. Ebenso entsteht hier durch den Energieverbrauch der Großteil der CO₂-Emissionen. Um Klimaziele zu erreichen, reicht ein energieeffizienter Neubau allein nicht aus – der laufende Gebäudebetrieb der Bestandsobjekte muss optimiert werden. Das Facility Management spielt hierbei eine Schlüsselrolle, doch es fehlt an passgenau qualifiziertem Personal. Die bisherigen Ausbildungsberufe orientieren sich überwiegend am Errichten, weniger am Betreiben von Immobilien. Dies führt in der Praxis zu ineffizienten Abläufen, mangelnder Koordination und vermeidbarem Ressourcenverbrauch.
Die neue Ausbildung fokussiert auf den laufenden Betrieb und vermittelt gewerkeübergreifende technische, kaufmännische und digitale Kompetenzen. Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die Wartungsarbeiten einleiten, Inspektionen durchführen und erste Maßnahmen bei Störungen ergreifen können – stets in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerkskräften. Dabei liegt der Fokus nicht in der Tiefe eines einzelnen Gewerks, sondern in der Breite des Verständnisses und der Fähigkeit, ein effizientes technisches Zusammenspiel der Gewerke zu koordinieren.
Generalisten, die Brücken bauen
Die Ausbildungsinitiative verfolgt einen generalistischen Ansatz. Absolventinnen und Absolventen sollen als „Teamplayer in der Gebäudebewirtschaftung“ wirken, die Fachhandwerker entlasten und gewerkeübergreifende Synergien erkennen. In der Praxis bedeutet das: Ein Absolvent der Ausbildung kann nach Einweisung einfache Wartungsaufgaben oder Prüfungsleistungen übernehmen, Informationen bündeln und dokumentieren, um bei Bedarf Spezialisten zielgerichtet zu unterstützen. Gerade in Regionen mit dezentralen Liegenschaften ist diese Rolle von hohem Wert – etwa als erste Person vor Ort bei Störungen und als Ansprechpartner für die Nutzer.
Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter 235 Unternehmen aus dem Gebäudemanagement sehen 78 Prozent einen Bedarf für einen neuen Ausbildungsberuf, 65 Prozent sogar einen hohen bis sehr hohen. Viele Unternehmen beklagen die fehlende Passgenauigkeit bestehender Berufsbilder und wünschen sich „eine Mischung aus Techniker und Immobilienwirt“.
Nachhaltigkeit braucht Allrounder
Die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien im Gebäudebetrieb ist eine tägliche Herausforderung. Instandhaltungspläne und technische Maßnahmenkataloge allein genügen nicht – es braucht Menschen vor Ort, die die Konzepte in der Praxis lebendig machen. Der neue Ausbildungsberuf will genau hier ansetzen: durch ein Verständnis für Zusammenhänge, digitales Know-how und ein Gefühl für Prozesse. Eine Rückmeldung aus der Umfrage bringt es auf den Punkt: „Die tatsächliche Umsetzung der Nachhaltigkeit erfolgt vor Ort – dafür braucht es qualifizierte Allrounder.“
Das Berufsbild sieht deshalb auch Kompetenzen im Bereich Energie- und Ressourcenmanagement sowie im Umgang mit digitaler Steuerungstechnik vor. In der Umfrage gaben 59 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihr Kompetenzbedarf durch bestehende Aus- und Fortbildungen nicht ausreichend gedeckt wird. Besonders gefragt seien gewerkeübergreifendes Denken, Projektmanagement sowie rechtliches Wissen rund um Betreiberpflichten.
Beruf mit Perspektive
Neben der inhaltlichen Passgenauigkeit überzeugt der geplante Ausbildungsberuf auch mit seiner Flexibilität: Die Einsatzfelder reichen vom Gebäudebetrieb über Dokumentation und Kundenkontakt bis hin zur Unterstützung bei der digitalen Transformation. In Zeiten von Fachkräftemangel und steigender Aufgabenvielfalt wird das zunehmend wichtig. 75 Prozent der befragten Unternehmen signalisieren eine grundsätzliche Ausbildungsbereitschaft für den neuen Beruf. Vor allem größere Betriebe mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden zeigen sich offen.
Gleichzeitig bleibt auch Kritik nicht aus. Einige Befragte warnen davor, eine „eierlegende Wollmilchsau“ schaffen zu wollen – ein Techniker, der gleichzeitig Rechnungen prüft, sei unrealistisch. Doch gerade das abgestimmte Zusammenspiel verschiedener Kompetenzlevel ist es, was das neue Berufsbild auszeichnet. Es geht nicht um Alleskönner, sondern um gut vernetzte Generalisten, die wissen, wann sie wen hinzuziehen müssen.
Fazit: Ein Beruf für die Praxis und die Zukunft
Mit dem neuen Ausbildungsberuf „Fachkraft für Gebäudeinfrastrukturbetrieb“ reagiert die Branche auf reale Herausforderungen im Gebäudemanagement. Die Ausbildung ist kein Ersatz für das Handwerk, sondern ein Bindeglied. Sie verzahnt Gewerke, fördert Teamarbeit und eröffnet neue Karrierepfade. Für Unternehmen bietet sie die Chance, gezielt qualifiziertes Personal zu entwickeln – für eine Branche, die im Zentrum der gesellschaftlichen Transformation steht. Ziel ist es, in diesem Jahr die Voruntersuchungen abzuschließen sowie einen Antrag beim Wirtschaftsministerium zu stellen und ein Ordnungsverfahren zu initiieren. Die Beteiligten gehen fest davon aus, dass noch in dieser Dekade die ersten Azubis Ihre Ausbildung starten können.
Weiterführende Angebote zur Ausbildung im FM
Vertiefen Sie das Thema mit unseren weiterführenden Bildungsangeboten:
- Studiengänge – Übersicht der Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
- Fachwirt – Vergleich der relevanten Fachwirt-Weiterbildungen.
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